Für die Spielwarenbranche bedeutet das konkret: Weniger Aufwand im Reporting – und weniger Druck von größeren Kunden oder Investoren, die bislang Lieferkettendaten eingefordert haben. Auch Banken dürften bei ihrer „Green Asset Ratio“ künftig auf externe Daten verzichten, wenn es um kleinere Unternehmen geht. Das schafft neue Luft – und vielleicht sogar Lust, sich freiwillig mit Nachhaltigkeit auseinanderzusetzen, ohne Angst vor Sanktionen. Doch Vorsicht: Die Regelung ist noch nicht rechtskräftig, sondern Teil eines laufenden Verfahrens. Wer jetzt vollständig aussteigt, könnte später wieder einsteigen müssen.
Lieferketten & CO₂: Was hinten rauskommt, zählt Nicht nur beim Reporting, auch in der Lieferkette wird derzeit neu bewertet. Die viel diskutierte CSDDD, also die EU-Lieferkettenrichtlinie, ist formal verabschiedet, soll laut Diskussionen in Brüssel aber nachträglich entschärft werden. Im politischen Raum ist davon die Rede, dass künftig nur noch direkte Geschäftspartner im Fokus stehen sollen – und statt jährlicher Prüfungen ein Fünfjahres-Turnus der internen Sorgfaltspflichten ausreichen könnte. Diese Punkte sind allerdings noch nicht Teil des gültigen Rechtsrahmens, sondern Gegenstand laufender Abstimmungen. Was wie eine Lockerung klingt, ist in Wahrheit ein Realitätscheck – gerade für Hersteller, die mit Zulieferern außerhalb der EU arbeiten. Ein klarer Auftrag: Prozesse sauber dokumentieren, Zuständigkeiten regeln, Risiken erkennen – und das Ganze rechtssicher archivieren. Nicht mehr, aber eben auch nicht weniger. Auch beim CO₂-Grenzausgleich (CBAM) zeigt Brüssel Augenmaß: Eine Freigrenze von 50 Tonnen CO₂ soll laut Kommissionsvorschlag rund 182.000 Kleinimporteure entlasten – eine Regelung, die insbesondere für Mischimporte interessant wäre. Eine verbindliche Entscheidung steht aber noch aus; derzeit laufen Konsultationen zur praktischen Umsetzung. Das betrifft nicht nur Holz- und Gummiprodukte, sondern auch Spielwaren aus Kunststoff, Textil, Metall oder Elektronik – sofern Vorprodukte energieintensiv gefertigt wurden. Auch Verpackungen können indirekt eine Rolle spielen, etwa bei CO₂-relevanten Komponenten.
Was jetzt zählt: Wissen, bewerten, vorbereiten Für Händler und Hersteller aus der Spielwarenbranche ist 2025 kein Jahr zum Durchschnaufen – sondern zum Neuausrichten. Die regulatorische Welle wird flacher, aber sie ebbt nicht ab. Wer vorbereitet ist, gewinnt Zeit, Vertrauen und Handlungsspielraum. Jetzt ist der Moment, um sich intern Fragen zu stellen: Welche Produkte fallen künftig unter die EUDR? Sind unsere Lieferanten auf die neuen Pflichten vorbereitet? Und welche unserer Kunden erwarten weiterhin Nachhaltigkeitsdaten – auch ohne gesetzliche Pflicht? Die politischen Einigungen aus Brüssel sind ein wichtiges Signal: Die Komplexität wird reduziert. Aber sie wird nicht verschwinden. Wer heute strategisch handelt, steht morgen besser da – in der Compliance wie am Point of Sale.
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